Winter-Idyll

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I

Schlitten klingeln durch die Gassen,
fußhoch liegt der Schnee geschichtet:
deutschem Winter muss man lassen,
dass er gar entzückend dichtet.

5

Und wir gehn, ein schneeweiß Pärchen,
Arm in Arm, mit heißen Wangen.
Welch ein süßes Wintermärchen
hält zwei Herzen heut gefangen!


II

Wie kann ein Tag voll so viel Schmerz
so wunderherrlich enden,
ein Abend an mein einsam Herz
so reiches Glück verschwenden!


5

Oh Mund, entflammt, oh Aug', entfacht
in schauerndem Begegnen!...
Oh aller Wunder holder Nacht,
wie magst du so mich segnen!...


III

Surre, surre, Rädchen,
hier sind tausend Fädchen
für ein Sonnenstrahlenzelt
um die weite, weite Welt!

5

Surre, surre, Rädchen,
denke doch! mein Mädchen
hat viel tausend Haare!
Reicht viel tausend Jahre!

Surre, surre, Rädchen,

10

tausend goldne Fädchen
wolln von dir zu Sonnenschein
heute noch gesponnen sein!

 

 

Lyrik | Gedichte aus dem Nachlass Teil 3
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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 596f.