Fritz Büchtger

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Biographische Notizen

1903
Am 14. Februar in München als Sohn des Kunstmalers Robert Büchtger und dessen Frau Marie, geb. von Lehmann, geboren.
"Mein Großvater, der wohl Schreiner war, übersiedelte nach St. Petersburg und eröffnete dort eine Möbelfabrikation. Mein Vater, Robert Büchtger, studierte in Petersburg bei dem berühmten Maler Repin, ging dann nach Paris und Düsseldorf, um dann endlich seinen Wohnsitz in München zu nehmen. Als anerkannter Landschaftsmaler starb er dort 1951 im 89. Lebensjahr. Er hatte 1899 die Tochter eines bayerischen Generals geheiratet."
Fritz Büchtger wuchs in einem sehr musischen Haus auf, in dem auch viel musiziert wurde. "Mein Vater blies recht gut die Flöte und meine Mutter sang." Trotz seiner Begeisterung für die Musik und eigener Kompositionsversuche wurde er zunächst in einem bayerischen Kadettencorps erzogen, denn er war für die Offizierslaufbahn vorgesehen. Schließlich gaben die Eltern seinem Wunsch nach und ließen ihn Musiker werden.
1923 — 1926
Studium an der Akademie der Tonkunst in München (Komposition, Chorleitung, Dirigieren, Orgel, Klavier, Flöte und Gesang). Seine Lehrer für Komposition waren Anton Beer-Walbrunn und Hermann Wolfgang von Waltershausen. F.rste Begegnung mit Carl Orff im Zusammenhang mit einer Arbeit über Claudio Monteverdi. - Aus diesem Denkansatz gewann Büchtger die entscheidenden Impulse für seinen eigenen kompositorischen Weg, in dem das Wort, besonders das religiöse, im Mittelpunkt stand; hingegen war ihm das Komponieren mit den zwölf Tönen im Sinne Arnold Schönbergs im (irunde immer wesensfremd geblieben.
"Zwar fühlte ich, daß die neuen Klänge meine Welt waren, aber in der Atonalität sah ich doch zu viel Willkür, als daß mein Bedürfnis nach Ordnung befriedigt worden wäre. Schönbergs gerade erst neu entwickeltes 12-Ton-System hielt ich nur für eine recht konstruktive Kompositionsanweisimg - nicht für die neue Ordnung, die ich erstrebte."
1927
Gründung der "Vereinigung für zeitgenössische Musik" zusammen mit Udo Dämmert, Franz Dorfmüller, Werner Fgk und Carl Orff. "Wir holten uns Experten nach München, wie Hermann Scherchen [...], Paul Hindemith, Bela Bartok und viele andere, dazu berühmte Ensembles für Neue Musik und konnten so aus eigenem Erleben das Neue kennenlernen." Programmatische Schwerpunkte: Bartok, Egk, Hindemith, Krenek, Orff, Strawinsky, Toch und Tscherepnin sowie die vorklassische, die "gotische" Musik. Zu hören waren aher auch die gemäßigtere Moderne, Musik für Laienorchester und, im März 1928, die Wiener Schule mit Alban Bergs "Lyrischer Suite" und Arnold Schönbergs drittem Streichquartett. (In den fünf Jahren der "Vereinigung" kamen etwa 175 Werke zur Aufführung, eine Vielzahl davon in Ur- oder Münchner Erstaufführungen.) - In die Zeit fällt auch Büchtgers Gründung eines Arbeiterorchesters und die Übernahme mehrerer Chöre, auch Arbeiterchöre.
1928
Chorleiter der "Christengemeinschaft" in München und intensive Auseinandersetzung mit dem Schriften Rudolf Steiners. Heirat der Bildhauerin Elisabeth Cullmann (1900-1974); Büchtger hatte sie in der Anthroposphischen Gesellschaft kennengelernt.
1929 - 1931
Ausrichtung von vier Veranstaltungswochen "Neue Musik München". "Büchtger konnte für die Festwochen wichtige und prominente Institutionen zur Mitwirkung gewinnen wie das Bayerische Staatstheater, die Münchner Kammerspiele, den Konzertverein, die Konzertgesellschaft für Chorgesang und den Münchner Domchor. Nicht zuletzt den Rundfunk, die 'Deutsche Stunde in Bayern' und sogar die Standmusik an der Feldherrnhalle, die Werke von Hindemith spielte" (Carl Orff). Selbst das Medium Film wurde mit einbezogen wie z. B. die Tonfilme "Episode", Musik von Paul Dessau, oder "Vormittagsspuk" mit der Musik von Paul Hindemith.
1929
Auf dem Programm der ersten Veranstaltungsreihe "Neue Musik München" (5.-15. Okt.) stand u.a. die Uraufführung des vierten Streichquartetts von Bela Bartok durch das Brüsseler Pro-Arte-Quartett. Weitere Höhepunkte der Woche: Monteverdis "Orfeo" in der Neugestaltung von Carl Orff. Bachs "Musikalisches Opfer" in einer Bearbeitung von Hans David, sowie ein Orchesterkonzert mit Werken von Paul Hindemith (Leitung Hermann Scherchen).
1930
In der zweiten Festwoche (6.-13. März) erklangen u.a. Werke von Hindemith, Kodaly, Krenek, Strawinsky (Die Geschichte vom Soldaten, Leitung Hermann Scherchen) und Brecht/Hindemith (Das Lehrstück). Alexander Tscherepnin war der Solist seines II. Klavierkonzerts. - Im Zentrum der dritten Festwoche für Neue Musik (2.-12. Okt.) standen Komponisten aus den europäischen Nachbarländern sowie die "Kantate" von Carl Orff und dessen "Schulwerk" (in Zusammenarbeit mit Karl Marx).
1931
Durchführung der vierten Festwoche (15.-22. Mai). Uraufführung der Vierteltonoper "Die Mutter" von Alois Hába unter der Leitung von Hermann Scherchen in Anwesenheit des Komponisten. Die Aufführung hatte beachtliches Format, so dass selbst der "Völkische Beobachter" nicht umhin konnte, wenigstens die Gesamtleistung anzuerkennen, aber dann doch die provokante Frage stellte: "Warum hat die Vereinigung für zeitgenössische Musik sich als Spielleiter und Bühnenbildner Ausländer (Tschechen) geholt? Auch unter den übrigen Mitwirkenden befanden sich mehrere. Ohne allen Zweifel gibt es genügend gute deutsche Künstler und deutsche Werke, denen die genannte Vereinigung ihre volle Aufmerksamkeit schenken sollte, und die sicher einer Aufführung viel eher wert sind, als diese Vierteltonoper." - Malipieros "Komödie des Todes" erlebte ebenso ihre Uraufführung wie Kreneks "Die Nachtigall" und Egks "Furchtlosigkeit und Wohlwollen". Auf dem Programm standen aber auch, wiederum unter der Leitung Hermann Scherchens, Cavalieris "Rappresentazione di anima e di corpo" und Monteverdis "Ballo delle Ingrate" (Einrichtung von Carl Orff).
1931 — 1932
Die allgemeine wirtschaftliche Not - die "Vereinigung" war bereits zur Zeit ihrer Gründung von Zuschüssen seitens der Stadt abhängig und die zunehmende politische Radikalisierung zwangen Büchtger schließlich zur Auflösung seiner Institution. Büchtgers Annäherung an den "Kampfbund für deutsche Kultur" (eine zumindest nach außen hin unabhängige Besucherorganisation) erbrachte nichts, da diese wenig später in der "N.S. Kulturgemeinde Ortsverband München e.V." aufging.
1933 - 1938
Mitglied der SA. Diese Mitgliedschaft kündigte Büchtger 1938 wieder auf, weil sie seiner weltanschaulichen Überzeugung widersprach. "Ich hin überzeugt, daß Büchtgers Fühlungnahme mit dem damaligen 'Kampfbund für deutsche Kultur' und sein Eintritt in die SA hauptsächlich erfolgte, um der von engstirnigen nationalsozialistischen Musikführern drohenden Isolierung der deutschen Musikgestaltung entgegenwirken zu können und das großzügige Arbeitsprogramm der Vereinigung festhalten zu können" (Franz Dorfmüller).
1933 — 1940
Weiterarbeit in der "Neuen Musikalischen Arbeitsgemeinschaft" als quasi der Nachfolgerin der "Vereinigung für zeitgenössische Musik". Finanzielle Zuwendungen wurden immer wieder von den Programminhalten abhängig gemacht. "[...] indem die Neue musikalische Arbeitsgemeinschaft sich zur Aufgabe macht, das Schaffen der jungen und jüngsten Komponistengeneration durch gute Aufführungen ihrer Arbeiten zu fördern, erscheint sie mir durchaus einer finanziellen Unterstützung würdig, sofern diese nicht dazu missbraucht wird, um künstlerischen Tendenzen wieder zur Geltung zu verhelfen, deren unheilvollen, weil zerstörenden Einfluss der Nationalsoziaiismus bekämpfen muss" (Carl Ehrenberg, 1938).
Leiter des Deutschen Arbeitersängerbundes und anderer Singgemeinschaften. Berufung zum Lehrer an einer Privatschule und Ausbilder an einem privaten Kindergärtnerinnen-Seminar.
UA der Kantate "Flamme" 1935 in Hamburg, der "Hymnen an das Licht" in Berlin und, 1939, des Kalenderspiels "O Mensch,gib acht!".
"Fritz Büchtger ist bisher nur mit wenigen Werken an die Öffentlichkeit getreten. Sie alle überzeugen durch die Klarheit und Echtheit einer gesunden, ungekünstelten Sprache, durch ihr frisches ursprüngliches Wesen und die starke rhythmische und melodische Kraft. Die 'Hymnen' lassen in der ruhig breitfließenden Bewegung inneres Duchdringen und Vergeistigen spüren. [...] Da empfindet man die wahrhaft künstlerische Reife und Vollendung des Musikers, wie er an solchen Höhepunkten zu einer Allgemeingültigkeit der Sprache vordringt" (Zeitschrift für Musik, 1937).
1940-1945
Kriegsdienst.
"1940 wurde ich als Hilfspolizist eingezogen, bald als Singeleiter verwendet und mit der Ausbildung der Singeleiter beauftragt. 1942 nach Prag als Singeleiter versetzt, erhielt ich den Auftrag, die dortige Deutsche Musikschule zu modernisieren und zu leiten. 1943 Ostfront (Strafversetzung wegen "weltanschaulicher Unzuverlässigkeit"), 44/45 Jugoslawien, 45 verwundet und entlassen."
1945 - 1978
Fritz Büchtger hat sich nach 1945 mit organisatorischer Arbeit geradezu überhäuft: Jeunesses Musicales, Studio für Neue Musik, Allgemeines Deutsches Musiklest. Kurse, Zeitschriften, Reden, Unterricht, Konzerte.
1947
Kompositorischer Neuanfang mit der Frkenntnis, seine Musik zukünftig dodekaphonisch zu strukturieren, wobei er, inzwischen tief verwurzelt in der Ideenwelt Rudolf Steiners, das Komponieren als kosmischen Schöpfungsakt sah, die Ordnung der zwölf Töne als gestirnhaftes Gesetz. Da mußte er geradezu zu einem "Außenseiter der Zwölftonmusik, der zwischen zwei Stühlen steht", wie er sich selbst einmal charakterisierte, werden. "Eritz Büchtgers Ideal war eine Musik von absoluter Reinheit und Klarheit, eine Musik jenseits von Sentimentalität und Gefühlsdunst" (Edith Urbanczyk).
1948
Übernahme des von Wolfgang Jacobi und Hans Mersmann gegründeten "Studios für Neue Musik", dessen Leitung er bis 1978 innehatte. Büchtger sah den Aufgabenbereich des "Studios" darin, dass Komponist wie Publikum gleichermaßen die Freiheit haben sollten, sich mit allen Erscheinungen auseinanderzusetzen.
"In der einen Hälfte der Welt wird gerne alles, was sich um neue Ausdrucksformen der Musik bemüht, als intellektualistisch und dekadent gebrandmarkt. Andrerseits gibt es im Westen Kreise, die uns z.B. die serielle Methode als die allein seligmachende anpreisen möchten und alles andere als rückständig bezeichnen. In Wirklichkeit kommt es in jeder Methode auf die Kraft der musikalischen Aussage an."
1951
Beginn seiner Lehrtätigkeit an der Rudolf-Steiner-Schule.
Vorsitzender des Musikausschusses des Verbandes der gemischten Chöre in Bayern. Vorsitzender des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung in Darmstadt.
UA des Oratoriums "Der weiße Reiter" nach der Apokalypse des Johannes und des ersten Streichquartetts in München.
1952
Vorsitzender der "Musikalischen Jugend Deutschlands" (MJD), deutsche Sektion der "Jeunesses musicales".
1953
Verleihung des Musikpreises der Landeshauptstadt München.
UA des „Konzerts" für Streichorchester in München.
1954
Aufbau der Jugendmusikschule München, deren Leitung Büchtger bis 1963 innehatte. Ehrengabe der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München. Gast des British Council in London, Oxford und Cambridge. - Es entstanden die Oratorien "Das gläserne Meer" nach Worten der Apokalypse (UA Weltkongress der "Jeunesses musicales" in Hannover). "Dieser gewaltige Versuch, in das uralte Geheimnis der Apokalypse durch eine moderne, chromatisch atonale Klangsprache einzudringen, ist wahrhaft imponierend. Wer kann die geradezu kristallenen Klänge der holten Streicher vergessen, die um das Bild des gläsernen Meeres gewoben sind? Wer vermag sich der urtümlichen chorischen Eindringlichkeit des Amen-Hymnus zu entziehen, der der wunderbaren Stelle um die Worte 'vom Schweigen im Himmel' folgt?" (Hannoversche Presse, E. Limmert).
UA des Oratoriums "Die Auferstehung" nach Matthäus in München.
1955
Vizepräsident der "Föderation Internationales des Jeunesses Musicales".
UA des Spiels "Der Spielhansl" nach dem Märchen der Brüder Grimm (1946).
"Was als wesentlichstes Büchtgers nicht hoch genug bewertet werden kann, ist das Breitenerlebnis von den Schulchören her (Der Spielhansl' nach Grimm). Die singende Jugend ist hier nicht nur mitwirkend, sondern auch das Publikum. [...] Das szenische Oratorium wird zum ethischen Forum. Es ist ein positives, pädagogisches höchst wichtiges Vorhaben, das mit Recht so starke und herzliche Resonanz fand" (Kasseler Post).
1956
Aufbau der internationalen Sommerkurse für Orchester, Kammermusik und Oper auf Schloss Weikersheim (Institut zur Förderung des Nachwuches der Kulturorchester) als einer ständigen Einrichtung. Büchtger gelang es, prominente Namen des Musiklebens als Kursleiter zu gewinnen, etwa Dean Dixon, Rudolf Metzmacher, Frederick Prausnitz, Hermann Scherchen, Kurt Stiehler und Wilhelm Stroß.
Komposition des Oratoriums "Die Himmelfahrt Christi" nach Johannes.
1957
Skandalöse Stornierung der bereits bewilligten Berufung zum Direktor der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main durch diffuse Machenschaften.
UA des Oratoriums "Die Verklärung" nach Lukas X und Matthäus XVII in Münster (Leitung Hermann Scherchen) und des Oratoriums "Pfingsten" in München zur 800-Jahr-Feier (Chor und Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung Hermann Scherchen).
1958
Gast des State Department USA, verbunden mit einer Konzert- und Vortragsreise (New York, Boston-Cambridge, Chicago, Spokane, Rochester, Detroit, Seattle, Buffalo, Portland, San Francisco, Los Angeles, Clarmont, Fort Wayne).
UA zweites Streichquartett in München.
1959
UA des "Weihnachtsoratoriums" in Berlin. "Büchtger versieht es, mit den raffiniert beherrschten Gesetzen der Zwölfton-Reihentechnik eine deklamatorisch lineare Musik zu schreiben, die sangbar ist. [...] Büchtgers schmuckloses, hymnisch entfaltetes Instrumentalgewand um den Vokalklang erzielt mehr an Ausdrucksspannung, als manche anderen modernen Komponisten mit dem größten, virtuosesten Orchesterapparat erreichen" (Hannoversche Allgemeine, 1960).
1960
Präsident der "Föderation Internationales des Jeunesses Musicales".
1961
Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Tonkünstler im VDMK. Konzertreisen mit dem von Büchtger gegründeten "Münchner Kamnierensemble" (Schweiz,Spanien, Belgien).
1962
Zweite Reise in die USA mit Konzerten in New York, Boston und Chicago.
UA des Oratoriums "Johannes der Täufer" in Boston.
"Der auch außerhalb Deutschlands besonders starke Erfolg der geistlichen Oratorien Büchtgers beweist, dass es eine allgemeine verständliche Sprache ist, in die er das Wort der Bibel kleidet. Letzter Beweis ist die Uraufführung des 'Johannes'-Oratoriums in Boston/USA im Spätherbst 1962 und die 30. Aufführung des 'Weihnachtsoratoriunis' in Cambridge, ferner die Einladung zu einer Tournee für Büchtgers eigenes Ensemble nach Kanada für Herbst 1963" (Ludwig Wismeyer).
1963
Ernennung zu Präsidenten der Musikalischen Jugend Deutschlands. Einladung der "Jeunesses musicales du Canada" zu 40 Konzerten mit dem Münchner Kammerensemhle. Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland.
UA "Konzert" für Orchester in Hannover.
1964
Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Musikerzieher und konzertierender Künstler (VDMK).
UA "Konzert" für Violine und Orchester in München.
"Zu einem der überzeugensten und wirkungsreichsten Violinkonzerte der Gegenwart sollte man Fritz Büchtgers Violinkonzert zählen. Keine gerechnete, sondern modern empfundene Musik mit eigenem Stil und Gewicht" (Darmstädter Tageblatt, W. E. v. Lewinsky).
Entstehung des heiteren Zwischenspiels "Hephzibah" und der fünf Motetten "Gott ist Geist".
1967
Organisation I. Allgemeines deutsches Musikfest in München.
UA "Der Engel, der das Wasser bewegte" in München (Münchner Philharmoniker, Leitung Hans Zender).
UA drittes Streichquartett in Bremen.
1968
Ehrengast in der Villa Massimo, Rom.
UA des Orchesterkonzerts "Stufen" in München. Komposition des Kammermusikwerks "Strukturen" (UA 1969 in München).
1970
Organisation II. Allgemeines deutsches Musikfest in Hannover.
UA des Orchesterwerks "Schichten - Bögen" in Hannover (1. Fassung; UA 2. Fassung 1972 in München). - UA "Die Botschaft" nach Kafka in München, eine eindrucksvolle Vertonung der geheimnisvollen, parabelhaften Erzählung Franz Kafkas.
1971
Gründung der Aktionsgemeinschaft Musik in Bayern.
UA viertes Streichquartett in München. "Fritz Büchtgers viertes Streichquartett basiert auf einer recht melodischen Zwölftonreihe. Das Stück klingt rhythmisch sehr viel übersichtlicher, als dies normalerweise bei hochentwickelten Reihenkompositionen der Fall ist. Manchmal wird geradezu melodiöse Üppigkeit erreicht" (Süddeutsche Zeitung, J. Kaiser).
1972 - 1975
Präsident des Bundesverbandes Deutscher Musikerzieher und konzertierender Künstler (VDMK).
1973
Verleihung des Bayerischen Verdienstordens. Ehrenvorsitzender des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen.
Komposition von "Ascensio" (UA 1975 in Saarbrücken).
UA fünftes und sechstes Streichquartett sowie des Klavierquartetts von 1972 in München.
1974
Organisation III. Allgemeines deutsches Musikfest in Stuttgart.
Tod von Elisabeth Büchtger am 9. Dezember. - Komposition des Liederzyklusses "Vor der Tür" als Requiem für seine Frau (1975/76).
1976
Umzug in das Wohnstift Augustinum nach einem schweren Schlaganfall.
1977
Verleihung des Schwabinger Musikpreises.
1976 - 1978
Angriff von Peter Jona Korn u.a. wegen der inhaltlichen Konzeption des "Studios" und einer Jubiläumsveranstaltung für das Thema: Neue Musik in München, und Versuch, Büchtgers Einsatz für das "Studio" als lediglich egoistisch motiviert abzutun. Infragestellung von Büchtgers Kompetenz mit diffamierenden Hinweisen auf dessen nie geleugnete politische Vergangenheit.
"1933 galt ich bei den Nazi-Kollegen als Kulturbolschewist und Judenknecht, 1945 galt ich dafür als Nazi und 1940 hat die Gestapo nach dein Verbot der anthroposophischen Gesellschaft, deren Mitglied ich war, bei mir Haussuchung gehalten und Bücher beschlagnahmt."
1978
Tod Fritz Büchtgers am 26. Dezember. Er starb an den Folgen eines Autounfalls.

In seinem schöpferischen wie in seinem pädagischen und organisatorischen Wirken hat Fritz Büchtger Musikgeschichte weit über Münchens Grenzen hinaus gemacht. Sehr viele junge Komponisten, teilweise seine Schüler, erhielten durch ihn die Chance, sich einer aufgeschlossenen Zuhörerschaft vorzustellen. Zu ihnen zählen Peter Michael Hamel, Robert M. Helmschrott, Nicolaus A. Huber, Wilhelm Killmayer, Helmut Lachenmann, Josef Anton Riedl und Ulrich Stranz. Stellvertretend sei hier Killmayer zitiert: "Ich verdanke Büchtger den Beginn meiner Karriere, denn er brachte im 'Studio für Neue Musik' meine ersten Sachen heraus, in einer Zeit, in der mich noch niemand kannte. Büchtger hat mich gefördert, ohne ihn hätte ich gar nicht gewußt, wie ich mit eigenen Arbeiten hätte an die Öffentlichkeit kommen können."

Nicht vergessen sei aber auch die große Anzahl an Interpreten, die sich durch das "Studio" einen Namen machen konnten, ungenannt hier nur deshalb, weil ihrer so viele sind...

Photos und Abbildungen


Quelle
Broschüre zum 100. Geburtstag Fritz Büchtgers vom Verband Münchner Tonkünstler


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Vertonte Gedichte


*1 aus: Vor der Tür (Als Requiem für Elisabeth Büchtger), 23 Texte für Singstimme und Klavier (1975/76), Orlando-Musikverlag München
*2 aus: Das Buch der Liebe, Orlando-Musikverlag München


Noten

Noten sind im Archiv vorhanden.

Zu beziehen sind sie im Orlando-Musikverlag München