III, 30 (Horatius travestitus)
Aus DCMA
| Wenn die Bürger mir ein Monument stifteten, ob aus Gips oder Holz, Erz oder Marmerstein, - Sommers sonnt es sich froh, kinderwagenumringt, Winters baut man ein Dach drüber aus Papp' und Stroh - | Exegi monument' aere perennius, regalique situ pyramid' altius, quod non imber edax, non Aquil' inpotens possit diruer' aut innumerabilis |
| kann man eins gegen zehn wetten: Der Zahn der Zeit nagt so lange daran, bis es in Trümmer füllt. Darum lob ich mir das, was ich mit eigner Hand in der Weltpoesie ewige Tafeln schrieb. | annorum series et fuga temporum. Non omnis moriar multaque pars mei vitabit Libitin': usqu' ego postera crescam laude recens, dum Capitolium |
| Nimmer werd ich vergehn; blühen, solange mich ein Magister durchs Tor eines Gymnasiums trägt und die Klasse mit mir würdigen Schritts betritt und voll tiefen Verstands mich seiner Prima preist! | scandet cum tacita virgine pontifex. Dicar, qua violens obstrepit Aufidus et qua pauper aquae Daunus agrestium regnavit populor', ex humili potens |
| Überall, wo der Mensch klassische Bildung pflegt wird man fordern von ihm, dass er horazfest sei. Habe mich darum auch redlich genug geplagt! Reicht mir neidlos den Kranz, der meiner Kunst gebührt! | princeps Aeolium carmen ad Italos deduxisse modos. Sume superbiam quaesitam meritis et mihi Delphica lauro cinge volens, Melpomene, comam. |
