Das Gebet (aus Galgenlieder)
Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Halb neun!
Halb zehn!
Halb elf!
Halb zwölf!
Zwölf!
Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Sie falten die kleinen Zehlein,
die Rehlein.
Anmerkung
Die Rehlein
usw. - Reh (Cervus CapreolusL.) aus der Familie
der Hirsche, 1,25 m lang bis 30 kg schwer, in Europa bis 58°
nördl. Breite, auch in Asien. Vgl. Dombrowski (1876), Eulefeld
(1896).
Kommentar
- Zu finden in der
- Stuttgarter Ausgabe: Band 3, S. 61und 298
- Vertont von
- Peter Appenzeller | Dieter Bäumle | Johannes Bornmann | Paul Graener | Sofia Gubaidulina | Augustinus Franz Kropfreiter | Trio Exvoco
- Englische Übersetzung
- The Prayer
- Französisch Übersetzung
- La prière
- Ungarische Übersetzung
- Imádság
- Illustriert von
- Hans Reyersbach
- Gesprochene Version
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- Das Angebot stammt von: vorleser.net
Interpretation
Interpretation von Dana Barta (http://www.mtholyoke.edu/~dabarta/index.html):
Für Morgenstern ist die tiefe Nacht der Ewigkeit ein Beschützer der Geschöpfe des Waldes. Das Wortespiel: "hab acht! Halb neun!", die Zählung der Stunden bis Mitternacht, scheint ein Angstespiel zu sein, aber es ist auch komisch. Wenn die Uhr Mitternacht schlägt, fuelen sich die kleinen Tiere sicher und schlafen ein.
Die Nacht und die Tiere sind personifiziert; die Nacht stellt eine schützende Gottheit dar und die Rehe sind treue Untertanen, die Schutz brauchen.
Es ist komisch, besonders im Vergleich zu Nietzsches Gedicht, weil Morgenstern auf die tiefe, philosophische Bedeutung Nietzsches verzichtet, und auf sich den Selbsterhaltungstrieb der Tiere konzentriert. Auf diese Weise beschreibt Morgenstern den Menschen als ein Geschoepf, das von Instinkten getrieb wird, waerend Nietzsche Homo Sapiens beschriebt.
Morgensterns Mensch findet seine Ruhe nur in der Dunkelheit der Nacht, nicht in dem Licht des Wissens.