Aphorismen - Psychologisches - 1896
S. 255
...
1896
- [1157]
Es ist eine Kunst für sich, einen Brief zur rechten Zeit ankommen
zu lassen. Man vergißt ihrer gewöhnlich. Und doch - wie oft ein
intimes, beschauliches Gespräch am Morgen keine Hörer an uns
fände, so mutet uns ein Brief morgens und abends anders an.
- [1158]
Einer der seltsamsten Zustände ist das dunkle und unvollkommene
Bewußtsein, das wir von der Form und dem Ausdruck unsres
eigenen Gesichtes haben. So wird mir oft von diesem und
jenem Gesichtsausdruck erzählt, hinter dem sich jedoch durchaus nicht das verbirgt, was man aus ihm schließen zu sollen
glaubt.
S. 256
- [1159]
Es ist ein furchtbarer Gedanke: Ich halte die Hand vors Auge und
das ganze Zimmer liegt im Dunkel usw.
- [1160]
Das ist ein äußerst merkwürdiges Gefühl, wenn man sich frühmorgens
Gesicht und Kopf abreibt und sich dabei vorstellt: nun
hast du deine Gedanken mit gewaschen und abgetrocknet.
- [1161]
An den Glockensträngen der Stimmungen.
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Kommentar
- Zu finden in der
- Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 255f.