Aus einem Briefe
S. 245
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93. Aus einem Briefe
Liebe Grete! Gestern war ich in "Einen Jux will er sich machen".
Ach, ich sage Dir, zu nett! Aber ich wagte doch nicht recht herauszulachen;
denn das Stück ist doch zu wenig literarisch. Und siehst
Du, in Berlin mag etwas so lustig sein, wie es will: wenn man nicht
genau weiß, ob es denn auch wirklich literarischen Wert hat, so
muß man sich riesig beherrschen; denn es wäre doch zu blamabel,
wenn man für nicht genug gebildet angesehen würde. Da ist
es etwas anderes mit den vielen französischen Schwänken. Mein
Gott, da sagt jeder von vornherein: Ja, literarisch sind sie wohl
nicht viel wert, aber doch so geistreich, geschickt und graziös gemacht,
daß man immerhin lachen mag, wenn man auch dann
nicht mehr weiß, warum man eigentlich gelacht hat. Ich finde das
ja nun nicht immer so heraus, ich bin eben aus der Provinz und
nicht so literarisch firm; aber es muß doch wohl so sein: denn im
"Jux" sitzen sie alle wie die Großväter und Großmütter da und
grinsen bloß mal so von oben herab, während in "Nitouche" z.B.
das ganze Haus gröhlt. Dabei ist diese letztere eigentlich recht
gemein und verhält sich zu dem Nestroyschen Stück wie Metropol-
Gedudel zu Wiener Walzermusik. Aber der "Jux" ist freilich
bloß von einem Deutschen (wenn auch Österreicher). Übrigens
haben wir kürzlich bei Müllers getanzt; denke Dir, Kurt hat usw.
usw.
Kommentar
- Zu finden in der
- Stuttgarter Ausgabe: Band 6, S. 245