Übersetzung

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Für die ersten zehn Strophen der Oden liegt eine Übersetzung durch Hans Zimmermann (http://marvin.sn.schule.de/~latein/horatius.htm) vor.

Die erste Spalte beinhaltet den Morgensternschen Text, die zweite den Originaltext, die dritte die Übersetzung.


I, 1
Hoher Protektor und Freund, Edler von Gönnersheim,
was doch alles der Mensch auf seiner Erde treibt! ...
Dieser fegt auf dem Rad über die Rennbahn, und
platzt der Gummischlauch nicht, geht er zuerst durchs Ziel.
Maecenas, atavis edite regibus,
O et praesidi' et dulce decus meum:
Sunt quos curriculo pulver' Olympicum
collegisse iuvat; metaque fervidis
Maecenas, alter Könige Sohn,
o du mein Schutz und meine beglückende Zierde:
Manche gibt's, die mit dem Rennwagen olympischen Staub
aufzuschürfen erfreut; die die Wendesäule, mit glühenden
Welcher Tag für den Mann, wenn ihm das Comité
die Medaille verleiht, Meisterschaft zuerkennt!
Jenen wieder erfreut's, wenn ihn der Wähler Schar
an das berühmte Büfett unseres Reichstags schickt.
evitata rotis palmaque nobilis
Terrarum dominos evehit ad Deos.
Hunc, si mobilium turba Quiritium
certat tergeminis tollere honoribus;
Rädern vermieden, und der adelnde Palmzweig
als Herren der Erde hinauffährt zu den Göttern.
Den auch, wenn der unruhigen Römer Schar
streitet, ihn zur dreifachen Ämterehre zu erheben;
Andre, wenn der Kaffee prompt aus Brasilien kommt,
Sack an Sack imposant in ihren Speichern steht.
Der Agrarier, der jammernd sein Land bestellt,
tauscht dir dennoch den Pflug mit der Couponscher' nicht,
illum, si proprio condidit horreo
quidquid de Libycis verritur areis.
Gaudentem patrios findere sarculo
agros, Attalicis condicionibus
und jenen, wenn er in eigener Scheune anhäuft
was von libyschen Tennen gefegt wird.
Den, der sich daran freut, daheim mit der Hacke zu furchen
den Acker, - selbst mit den Traumbedingungen des Attalos
noch verlockst du ihn leicht, dass einem Dampfer er
sich zur Überfahrt nach Mexiko anvertrau.
Sieh den Kaufmann! Er schimpft auf Kolonialpolitik,
wird Lokalpatriot, gründet Bazars und Klubs,
numquam demoveas, ut trabe Cypria
Myrtoum pavidus nauta secet mare.
Luctant' Icariis fluctibus Africum
mercator metuens, oti' et oppidi
kannst du den nimmer bewegen, auf zyprischem Boot
als verzagter Schiffer myrtoische Wogen zu schneiden.
Der den mit ikarischen Fluten ringenden afrikanischen Sturm
fürchtende Kaufmann, - die Muße und der Heimatstadt
aber bald wieder doch rüstet mit Schnaps und Blei
neue Schiffe er nach Togo und Kamerun.
N. N. schmollt, wie du weißt, perlenden Sekten nicht,
noch auch, wenn ein Gelag früh im Kaffeehaus schließt;
laudat rura sui: mox reficit rates
quassas, indocilis pauperiem pati.
Est qui nec veteris pocula Massici,
nec partem solido demere de die
Felder lobt der: repariert bald die Planken,
die lädierten, unbelehrbar, Armut zu ertragen.
Es gibt den, der weder die Becher alten Massikerweins
noch einen Teil vom festgefügten Tagesablauf wegzunehmen
Sommers stärkt er sich dann durch eine Sprudelkur
oder reist nach Tirol oder nach Helgoland.
Andere wieder sind mit Leib und Seel Militärs,
schmähn das faule Zivil, dem jeder Schuß ein Greul.
spernit; nunc viridi membra sub arbuto
stratus, nunc ad aquae lene caput sacrae.
Multos castra iuvat, et lituo tubae
permixtus sonitus, bellaque matribus
verschmäht; bald die Glieder unter grünem Erdbeerbaum
ausgestreckt, bald am sanften Quell heiligen Wassers.
Viele erfreut das Militärlager und der mit Zinken
vermischte Trompetenklang und Krieg, der von den Müttern
Und wer jagt von Beruf oder aus Waidlust nur:
Dessen Hitze vergißt Weibchen und Kinder oft,
wenn sich etwan ein Hirsch in seinen Forst verläuft,
oder Wild- oder Holz- Diebe zu fangen sind.
detestata. Manet sub Jove frigido
venator, tenerae coniugis inmemor;
seu visast catulis cerva fidelibus,
seu rupit teretes Marsus aper plagas.
verfluchte. Es verbleibt im kalten Wetter
der Jäger, indem er seine zärtliche Gattin vergißt;
sei es, dass seine munteren Hunde eine Hirschkuh erblickten,
sei es, dass ein Marsischer Eber die gewundenen Netze zerriss.
Mich - der ja, wie du weißt, all diesem Treiben fern, -
reiht mein Sammetbarett göttlicherm Kreise an,
trennt vom Trubel der Welt meiner vier Wände Heim,
zarter Träume ein Schloß, klingend von Scherz und Kuss.
Me doctar' hederae praemia frontium
dis miscent superis: me gelidum nemus
Nympharumque leves cum Satyris chori
secernunt populo; si neque tibias
Mich versetzen die Efeu-Preise für gelehrte Stirnen
unter die hohen Götter: mich sondern der kühle Hain
und die leichten Tänze der Nymphen mit den Satyrn
vom Volke ab; solange weder die Flöten
Bleibt die Muse nur treu, rundlich der Pegasus,
deine Schatulle mein Hort, Glück meiner Wege Stern,
sprich gelassen es aus: oh, welch ein Lyriker!
Und vom Himmel herab nick ich, ein Gott zu dir
Euterpe cohibet, nec Polyhymnia
Lesboum refugit tendere barbiton.
Quod si me Lyricis vatibus inseris,
sublimi feriam sidera vertice.
Euterpe hemmt, noch Polyhymnia

sich davor ziert, die Leier der Sappho zu spannen.
Wenn also du mich den lyrischen Sängern einreihst,
werde ich mit erhabenem Scheitel die Sterne berühren.

I, 9
Du siehst, wie weiß, im glänzenden Schneegewand,
der Kreuzberg steht, und wie der Viktoriapark
tief eingeschneit, wie Spree und Panke
Mäntel von Eis auf den Leib gezogen.
Vides ut alta stet nive candidum
Soracte, nec iam sustineant onus
silvae laborantes, geluque
flumina constiterint acuto:
Du siehst, wie im tiefen Schnee weiß dasteht
der Soracte, und wie nicht mehr die Last aushalten
die Wälder voll Mühsal, und vom Frost
die Flüsse erstarrt sind, vom scharfen:
Drum heize, Freundchen, spare die Kohlen nicht,
und laß uns im behaglichen Stübchen dann
aus schönem alten Rum - was meinst du? -
einen urkräftigen Steifen brauen!
Dissolve frigus ligna super foco
large reponens, atque benignius
deprome quadrimum Sabina,
o Thaliarche, merum diota.
Löse die Kälte, indem du Hölzer auf dem Ofen
reichlich nachlegst, und noch freigebiger
bring hervor den vierjährigen Sabiner,
o Thaliarch, den Wein aus dem Zweihenkelkrug!
Lass Pan die Welt verwalten, dem Wintersturm,
der mit dem Lenzwind heulende Schlachten schlägt,
gebieten! Beide werden schweigen,
dass sich kein Zweig mehr am Baume rüttelt.
Permitte divis cetera: qui simul
stravere ventos aequore fervido
deproeliantes, nec cupressi
nec veteres agitantur orni.
Überlass den Göttern den Rest: die zugleich
hinstreckten die Winde, die auf dem brodelnden Meer
kämpften, und die Zypressen regen sich
nicht mehr noch die alten Eschen.
Was kann dich kümmern, was dir das Morgen bringt,
des Lebens freue jeglichen Tag dich neu,
und walze froh mit süßen Mädchen
draußen in Halensee oder Treptow,
Quid sit futurum cras fuge quaerer' et
quem fors dierum cumque dabit lucro
adpone, nec dulces amores
sperne puer neque tu choreas,
Was morgen sein werde, vermeide zu fragen, und
jeden der Tage, den das Schicksal dir gibt, dem Gewinn
rechne ihn zu, und weder die süße Liebe
verschmäh, Junge, noch die Tänze,
solang zu Tanz und Kuss du noch jung genug!
Zum Zirkus wandre, sieh dir ein Lustspiel an!
Vielleicht auch knüpf ein zart Verhältnis
an in dem Dämmer der Gaslaterne!
donec virenti canities abest
morosa. Nunc et campus et areae
lenesque sub noctem susurri
composita repetantur hora;
solang dem Grünenden die Gräue noch fern ist,
die schrullige. Jetzt sollen der Platz und die Gefilde
und leises Flüstern in der Nacht
wiederkehren zu vereinbarter Stunde;
Und sitzt du dann bei Dressel beim Dejeuner
und deine Kleine hält die Serviette vor -
wie köstlich, wenn der scherzhaft Spröden
endlich den Kuß du, den süßen, raubtest!
nunc et latentis proditor intimo
gratus puellae risus ab angulo,
pignusque dereptum lacertis
aut digito male pertinaci.
jetzt auch des Verborgenen Verräter im Geheimen,
der erwünschte: des Mädchens Lachen im Versteck,
und das Pfand, geraubt ihren Armen
oder dem Finger, der nur schwach sich sträubte
1, 11
Lass das Fragen doch sein! sorg dich doch nicht über den Tag hinaus!
Martha! geh nicht mehr hin, bitte, zu der dummen Zigeunerin!
Nimm dein Los, wie es fällt! Lieber Gott, ob dies Jahr das letzte ist,
das beisammen uns sieht, oder ob wir alt wie Methusalem
Tu ne quaesieris, scire nefas, quem mihi, quem tibi
finem di dederint, Leuconoe, nec Babylonios
temptaris numeros. Ut melius, quidquid erit, pati,
seu plures hiemes seu tribuit Iupiter ultimam,
Du frage nicht, es zu wissen ist nicht gut, welches Ende mir, welches dir
die Götter geben werden, Leuconoe, und du sollst auch nicht Babylonische
Orakelspiele versuchen. Wieviel besser, was auch immer sein wird, zuzulassen,
sei es, dass noch viele Winter, sei es dass Iupiter uns den letzten zuerteilt hat,
werden: sieh's doch nur ein: das, lieber Schatz, steht nicht in unsrer Macht.
Amüsier dich, und laß Wein und Konfekt schmecken dir wie bisher!
Seufzen macht mich nervös. Nun aber Schluß! All das ist Zeitverlust!
Küssen Sie mich, m'amie! Heute ist heut! Aprés nous le deluge!
quae nunc oppositis debilitat pumicibus mare
Tyrrhenum: sapias, vina liques, et spatio brevi
spem longam reseces. Dum loquimur, fugerit invida
aetas: carpe diem, quam minimum credula postero!
der jetzt an widerstrebenden bricht an Klippen das Meer,
das Tyrrhenische: Sei weise! Läutere den Wein, und mit kurzer Erwartungsfrist
schneide die lange Hoffnung zurück! Schon während wir reden, ist neidisch entflohen
die Zeit: Pflücke den Tag, so wenig wie möglich glaubend dem folgenden
I, 20
Während du im Frack vor der Rampe standest
und von Beifallsstürmen das Haus erbebte,
zog ich hier auf Flaschen ein schlichtes Fässchen
Marca Italia
Vile potabis modicis Sabinum
cantharis, Graeca quod eg' ipse testa
conditum levi, datus in theatro
cum tibi plausus,
Einfachen Sabinerwein wirst du trinken, aus schlichten
Krügen, den ich selbst in einem griechischem Gefäß
verschlossen verpichte, als dir im Theater
Beifall gespendet wurde,
Teufel auch! es pfiff es der Spatz vom Dach ja!
Und ich harrte nur noch auf Extrablätter
mit den Lebensdaten und mit dem Bild des
glücklichen Mannes.
clare Maecenas eques, ut paterni
fluminis ripae simul et iocosa
redderet laudes tibi Vaticani
montis imago.
gerühmter Maecenas, Ritter: dass des heimatlichen
Flusses Ufer und zugleich auch lachend
zurückgab das Lob dir des vatikanischen
Hügels Echo.
Trinkst wohl jetzt nicht mehr meinen sauren Tropfen,
alter Schwede, pfeifst nun auf alles andere,
als auf Vin sec, Monopol-Heidsick, Cliquot,
Pommery-Greno!
Caecub' et praelo domitam Caleno
tu bibes uvam: mea nec Falernae
temperant vites neque Formiani
pocula colles.
Caecuberwein und in der Kelter gepreßten, in der von Cales,
wirst du trinken die Traube; doch weder Falerner-
Reben füllen mir noch Formianische
Hochlagen meine Becher.
I, 22
Wer ein braver, ehrlicher Gottesmensch ist,
braucht nicht Degenstöcke, noch Ochsenziemer,
noch amerikanische Schlagringwaffen,
noch auch Revolver, -
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non eget Mauris iaculis nequ' arcu,
nec venenatis gravida sagittis,
Fusce, pharetra,
Wer untadelig im Leben und von Verbrechen frei ist,
bedarf keiner maurischen Speere noch des Bogens,
noch schwer von giftigen Pfeilen,
Fuscus, des Köchers -
ob er die unwirtliche Hasenheide
oder den Tiergarten des Nachts durchwandert
oder nach dem Norden Berlins geht, wo die
Panke sich schlängelt.
sive per Syrtes iter aestuosas,
sive facturus per inhospitalem
Caucasum vel quae loca fabulosus
lambit Hydaspes.
sei es, dass er durch die Syrten den Weg, durch die sengenden,
sei es, dass er ihn nehmen will durch den ungastlichen
Kaukasus oder zu den Orten, die der sagenumwobene
Hydaspes beleckt.
Stiefle ich im Grunewald jüngst nach Schildhorn,
pfeife lustig "Anne-Marie, erhör mich!",
als ein Hirsch zwölf Schritte vor mir sich regt und -
fort wie der Satan!
Namque me silva lupus in Sabina,
dum meam canto Lalagen et ultra
terminum curis vagor expeditis,
fugit inermem,
Denn auch vor mir ist im Sabinerwald der Wolf,
während ich meine Lalage besang und über
die Grenze streifte, von Sorgen frei,
geflohen, vor dem waffenlosen,
's war ein Kapitalkerl, ein Achtzehnender,
wie so groß ich keinen zuvor gesehen!
Keine Waffe hatt ich - und doch! er forcht sich! -:
fort wie der Satan!
quale portentum neque militaris
Daunias latis alit aesculetis,
nec Iubae tellus generat, leonum
arida nutrix
ein Ungeheuer, wie es weder die kriegerische
Daunias nährt in weiten Eichenwäldern,
noch die Erde Jubas, der Löwen
wüstentrockene Amme.
Lass am Nordpol mich zu den Robben gehen
und im ewigen Eise den Eisbären treffen -
Glaubst du, dass mir einer ein Leides täte?
Ebensowenig!
Pone me pigris ubi nulla campis
arbor aestiva recreatur aura,
quod latus mundi nebulae malusque
Jupiter urget;
Setze mich aus, wo auf brachen Feldern kein
Baum sich erneuert in sommerlicher Luft,
an die Seite der Welt, die Nebel und schlechtes
Wetter bedrängen;
Wär ich in der Wüste, im Löwenviertel
Afrikas, ich würde mich doch nicht fürchten!
Pfeifen würd ich "Anne-Marie, erhör mich",
pfeifen, ja pfeifen.
pone sub curru nimium propinqui
solis, in terra domibus negata:
Dulce ridentem Lalagen amabo,
dulce loquentem.
setze mich unter den Wagen der allzu nahen
Sonne, in das Land, das der Besiedlung verwehrt ist:
In die süß lachende Lalage werde ich verliebt sein,
in die süß plaudernde.
I, 23
Warum fliehst du vor mir wie eine scheue Gems,
Annchen, bin ich denn so fürchterlich anzuschaun?
Laß die Mutter doch predigen -
deine Mutter war auch mal jung.
Vitas hinuleo me similis, Chloe,
quaerenti pavidam montibus aviis
matrem non sine vano
aurar' et siluae metu.
Du meidest mich, dem Hirschkkalb gleich, Chloe,
das da sucht in unwegsamen Bergen seine ängstliche
Mutter, nicht ohne grundlos
sich vor Winden und Wald zu fürchten.
Aber kaum, dass ich mich irgendwo sehen lass',
läufst du fort wie der Wind, dass es vergeblich wird,
dir zu folgen - und dann zu Haus:
möglichst schnell die Gardine zu.
Nam seu mobilibus veris inhorruit
adventus foliis, seu virides rubum
dimovere lacertae
et cord' et genibus tremit.
Denn sei es, dass es vor den raschelnden Blätter erschreckt
der Frühlingsankunft, sei es, dass grün durchs Brombeeregeranke
hindurchschlüpften die Eidechsen:
im Herzen wie auch in den Knien zittert es.
Ist das freundlich von dir? Bin ich ein Kannibal,
der dich draußen im Wald braten und fressen will?
Fressen - höchstens aus Liebe,
Kind, so alt schon und noch so spröd!
Atqui non ego te tigris ut aspera
Gaetulusve leo frangere persequor:
Tandem desine matrem
tempestiva sequi viro.
Aber nicht ich wie ein Tiger, ein ungemütlicher,
oder wie ein gätulischer Löwe verfolge dich, dich zu reißen!
Höre endlich auf, der Mutter
zu folgen, du, reif für den Mann!
I, 27
Beim Weine gegenständlich zu werden, ist
kassubisch! Wahrt doch, Freunde, den guten Ton!
Bedenkt doch, dass wir nicht in Rixdorf
sondern im Westen der Hauptstadt sitzen!
Natis in usum laetitiae scyphis
pugnare Thracumst: tollite barbarum
morem, verecundumque Bacchum
sanguineis prohibete rixis.
Mit den zum Zweck der Freude geschaffenen Bechern
zu kämpfen ist Thrakerart: Macht Schluß mit Barbaren-
Sitte; den scheuen Bacchus
bewahrt vor blutigen Streitereien!
Ich bitt euch, laßt die Messer und Gabeln ruhn:
Die Glaserrechnung wäre nicht abzusehn!
Ad loca, Kinder, seid vernünftig,
dass die Gemütlichkeit nicht gestört wird!
Vin' et lucernis Medus acinaces
inmane quantum discrepat: inpium
lenite clamorem, sodales,
et cubito remanete presso.
Zu Wein und Lichtern der medische Dolch -
schrecklich, was für ein Mißklang: das lästerliche,
dämpft es ab, das Geschrei, Freunde,
und auf dem Polster bleibt liegen, dem gedrückten.
Ich soll Bescheid euch tuen in Malvasier?
Wohlan! doch vorher stell die Bedingung ich,
dass unser Freund und Bruder Gottlieb
uns seine neuesten Sünden beichte.
Vultis severi me quoque sumere
partem Falerni? Dicat Opuntiae
frater Megillae, quo beatus
volnere, qua pereat sagitta.
Ihr wollt, dass vom feurigen auch ich nehme
meinen Teil, vom Falerner? Es berichte der Opuntierin
Megilla Bruder, von was für einer Wunde
er selig ist, von was für einem Pfeil er vergeht!
Er will nicht? Nun so rühr ich mein Glas nicht an!
Du schämst dich wohl! O Gottlieb, wenn du dich schämst ...
Wir kennen dich doch all' und wissen,
dass keine einzige deiner wert ist!
Cessat voluntas? Non alia bibam
mercede. Quae te cumque domat Venus,
non erubescendis adurit
ignibus, ingenuoque semper
Schwindet der Wille? Nicht will ich trinken für einen anderen
Lohn! Wie auch immer dich Venus zähmt,
nicht um zu erröten verbrennt sie dich
mit ihren Gluten, denn einer immerdar edlen
Vertrau's uns, Bester, was es auch immer sei!
Wir sind wie Gräber!... Oh, das ist bös, sehr bös!
Du armer Kerl, so reinzufallen!
Hättest doch bessere haben können!
amore peccas. Quidquid habes, age,
depone tutis auribus. A miser,
quanta laboras in Charybdi,
digne puer meliore flamma!
Liebe verfällst du. Was du auch hast, nur zu,
vertraue es sicheren Ohren! Ach, Unglücklicher,
wie sehr du dich abmühst im Charybdiswirbel,
wert, mein Junge, einer besseren Flamme!
Prost, Gottlieb! spül's hinunter mit Malvasier -
vielleicht erscheint ein Deus ex machina - -
sonst freilich blieb' dir höchstens übrig,
dass du die Sache in Verse brächtest.
Quae saga, quis te solvere Thessalis
Magus venenis, quis poterit deus?
Vix inligatum te triformi
Pegasus expediet Chimaera.
Welche Hexe, wer könnte dich erlösen mit Thessalischen
Giften als Zauberer, welcher Gott könnte das?
Kaum wird dich, gebunden an die dreigestaltige
Chimaira, Pegasus entfesseln können!
I, 32
Spielen soll ich! ... Wenn ich auf deinen Tasten
je geübt, was bleibenden Wert verdiente -
nun, so will ich heute ein Volkslied spielen,
teuerer Flügel,
Poscimur. Siquid vacui sub umbra
lusimus tecum, quod et hunc in annum
vivat et plures, age, dic Latinum,
barbite, carmen,
Man verlangt nach mir. Wenn etwas Müßiges im Schatten
ich auf dir je gespielt, das noch bis zu diesem Jahre
lebt und weiter, – nun denn, sing auf Latein,
meine Lyra, das Lied!
der dem C. G. Schröter zuerst du töntest,
der dich in Nordhausen um Siebzehnhundert
mit dem Mechanismus der Hämmer schmückte,
ferner dem Silber-
Lesbio primum modulate civi:
Qui ferox bello tamen inter arma,
sive iactatam religarat udo
litore navim,
Du, auf Lesbos zuerst gestimmt von einem Bürger,
der wild vom Kriege dennoch zwischen den Waffen
oder wenn er das gestrandete Schiff festgebunden hatte am
feuchten Gestade,
mann in Freiberg, der dich mit Kunst verbessert,
dann dem 1. U. Stein in der Stadt der Fugger,
dem Pariser Erard, dem Streicher-Wien, dem
Broadwoad in London.
Liber' et Musas Veneremque et illi
semper haerentem puerum canebat,
et Lycum nigris oculis nigroque
crine decorum.
den Dionysos und die Musen, Venus auch und den ihr
immer anhängenden Jungen besang,
und Lykos mit schwarzen Augen und schwarzem
Haar, den schönen.
O Klavier, du Zierde und Schmuck des Hauses,
Freude, Trost und Speise du aller Ohren,
laß mich auf geduldigen Tasten spielen
"Santa Lucia"!
O decus Phoeb' et dapibus supremi
grata testudo Jovis, o laborum
dulce lenimen, medicumque, salve
rite vocanti
O du Zierde des Phoebos, bei den Mählern des höchsten
Jupiter willkommene Laute, o du der Mühsal
süße Linderung und Arznei, sei mir gegrüßt
wenn ich dich in rechter Weise anrufe.
I, 33
Albert, kränke dich nicht allzusehr um ein Weib!
Sei nicht sentimental! Hat Friederike sich
in den Stutzer verliebt, weil er der hübschere war –:
Tröste dich! andern geht's ebenso.
Albi, ne doleas plus nimio memor
inmitis Glycerae neu miserabiles
decantes elegos cur tibi iunior
laesa praeniteat fide.
Albius, leide nicht noch mehr, allzusehr denkend
an die grausame Glykera, auch nicht in mitleiderregenden
Elegien besingend, warum dich ein Jüngerer
überstrahlt nach dem Treuebruch!
Schau, der niedliche Balg, Betty von Rosenberg,
ist in Eduard Schmidt bis übers Ohr verknallt –:
Dieser poussiert Else, die spröde Maid,
doch soweit ich die Else kenn,
Insignem tenui fronte Lycorida
Cyri torret amor, Cyrus in asperam
declinat Pholoen: Sed prius Apulis
iungentur capreae lupis,
Wunderschön mit ihrem schlanken Gesicht, Lykoris
glüht in Liebe für Kyros - Kyros ist der spröden
Pholoe zugewandt: Aber eher noch werden in Apulien
verkuppelt die Ziegen mit den Wölfen,
darf man kecklich vertraun, dass sich ein Schmetterling
eher mit einem Mops bräutlich verbinden wird,
als ihn diese erhört. Ja, wie die Liebe spielt,
ist ein langes Kapitel, Freund!
quam turpi Pholoe peccet adultero.
Sic visum Veneri, cui placet inpares,
formas atqu' animos sub iuga aenea
saevo mittere cum ioco.
als dass Pholoe einem häßlichen Ehebrecher verfiele.
So schien es der Venus gut, der es gefiel, ungleiche
Gestalten und Gemüter unter ein ehernes Joch
zu schicken mit grimmigem Witz.
Stand ich selber doch einst vor der Verlobung schon,
- Exquisite Partie! -, als eine Nähterin
mir mein Herz überfiel und es in Fesseln schlug -,
's war fatal, aber schön war's doch!
Ipsum me melior cum peteret Venus
grata detinuit compede Myrtale
libertina, fretis acrior Hadriae
curvantis Calabros sinus.
Mich selbst hat, als eine bessere Venus mich suchte,
mit holder Fessel Myrtale festgehalten,
die Freigelassene, heftiger als die Fluten der Adria,
die kalabrische Buchten aushöhlt.
II, 3
"Kalt Blut und warmes Untergewand!" das ist
ein alter Satz, ob minus, ob plus du machst.
Wozu die Überschwenglichkeiten?
Holt doch auch, Freundchen, der Teufel dich einst,
Aequam memento rebus in arduis
servare mentem, non secus in bonis
ab insolenti temperatam
laetitia, moriture Delli,
Ausgeglichen gedenke in harten Verhältnissen
zu bewahren den Sinn, nicht anders als du in glücklichen
vor ungewöhnlichem ihn gemäßigt bewahrtest,
vor Entzücken, todgeweihter Dellius,
ob du mit Schopenhauer die Welt verwünschst,
ob jeden Sonntag du bei Kempinsky dir
ein Austernmahl mit Sekt geleistet
und eine schwere Export-Havanna!
seu maestus omni tempore vixeris,
seu t' in remoto gramine per dies
festos reclinatum bearis
interiore nota Falerni.
sei es, dass traurig du alle Zeit gelebt hast,
sei es, dass du auf entlegener Wiese an Tagen,
an festlichen, hingelagert beseligt bist
von einer Falernermarke aus dem tieferen Keller.
Du bist gesund, bist Kapitalist, bist jung,
du hast die schönste Villa am Strand der Spree,
in deinen Park verliebt sich jeder -
hörst du die Quellen nicht lieblich flüstern?
Quo pinus ingens albaque populus
umbr' hospitalem consociar' amant
ramis? Quid obliquo laborat
lympha fugax trepidare rivo?
Wozu wohl die gewaltige Pinie und die weiße Pappel
sich zu gastlichem Schatten zu verbünden lieben mit
ihren Zweigen? Was müht sich durch die Windung
das Naß flüchtig zu sprudeln, durchs Bachbett?
Und zieht's dich nicht zur marmornen Ruhbank dort,
darauf der Ahorn schützende Schatten wirft?
Ein kühles Weinchen dort zu trinken,
denk ich mir, müßte ein Hochgenuß sein
Huc vin' et unguent' et nimium breves
flores amoenae ferre iube rosae,
dum res et aetas et sororum
fila trium patiuntur atra.
Hierher lass Weine und Salben und die allzu kurzlebigen
Blüten der lieblichen Rose bringen,
solange Verhältnisse und Alter und der drei
Schwestern Fäden es dulden, die schwarzen.
Doch freilich, spar dir jegliche Illusion
betreffs der Dauer! – Scheiden mußt einst auch du,
und zungensehnalzend wird dein Erbe
deine vorzüglichen Marken schlürfen.
Cedes coemptis saltibus et domo,
villaque, flavus quam Tiberis lavit,
cedes, et exstructis in altum
divitus potietur heres.
Scheiden wirst du von gekauften Wäldern und vom Haus
und vom Landgut, das der gelbe Tiber bespült,
scheiden wirst du, und der in die Höhe aufgehäuften
Reichtümer wird sich dein Erbe bemächtigen.
Das Sterben hast gemein du mit Hinz und Kunz -:
Es ist das Gras das einzige Kraut, darein
so reich wie arm gemeinsam beißen
und sich den Magen daran vertun muss.
Divesne, prisco natus ab Inacho
nil interest an pauper et infima
de gente sub divo moreris;
victima nil miserantis Orci.
Ob du reich bist, ob ein Sohn vom alten Inachos her -
es macht keinen Unterschied, oder ob arm und vom niedersten
Stande du unter freiem Himmel haust,
du Opfer des nichts bedauernden Orcus.
Auf alle harrt vergnüglichen Blicks Freund Hein
und dreht sein knarrendes Glücksrad um und um,
und jede Ziffer ist ein Treffer,
ist eines Sterblichen arme Seele.
Omnes eodem cogimur, omnium
versatur urna serius ocius
sors exitur' et nos in aetern'
exili' inpositura cumbae.
Wir alle werden zum gleichen gezwungen, bei allen
wendet sich das aus der Urne früher oder später
herausfallende Los, das uns dann fürs ewige
Exil hineinsetzen wird in den Kahn.
Leben und Zeit